Felix hatte im September 2006 im Kindergarten Sonnenschein seinen ersten Tag, zu diesem Zeitpunkt war er dreidreiviertel Jahre alt und immer zuhause gewesen. Erst im Mai desselben Jahres haben wir, trotz engmaschiger entwicklungsdiagnostischer Betreuung, die Diagnose der Behinderung von Felix erfahren: inkomplette rechtsbetonte Tetraparese. Ursache für die Behinderung war, dass Felix extrem früh geboren ist und in der 4. Lebenswoche eine Gehirnblutung in der linken Gehirnhälfte erlitt. Der Arzt , der uns nun endlich alles genau erklärte, riet uns zum Abschluss der Besprechung, uns mit "Petö" zu beschäftigen, das sei eine große Chance für den Jungen sowie für uns als Familie. Bis zu diesem Zeitpunkt sind wir jede Woche zu Krankengymnastik, Ergotherapie, Hippotherapie und ergünzenden Therapien gegangen und haben das ganze Programm zuhause therapeutisch durchgezogen.
Also haben wir uns mit Petöö, d.h. der Konduktiven Förderung, beschäftigt und sehr bald in Starnberg angerufen, um einen Termin für eine Voruntersuchung zu bekommen. Felix konnte zu dieser Zeit im Wesentlichen krabbeln, aber nicht im "physiologisch korrekten" Sinn, d.h. er "hoppelte", konnte sitzen, aber nicht sehr stabil, fiel bei jedem Schreck sofort um und konnte den Rücken im Rumpf nicht lange gerade halten; er schaffte es, sich aus der Rückenlage in Bauchlage zu drehen und sich in den Zwischenfersensitz zu manövrieren. Er konnte sich nicht hochziehen, der Kopf hing meist schief zur Seite, die rechte Hand (Hemiparese) ignorierte er, aß unsauber und vermied alles beim Spielen, wozu er zwei Hände brauchte. Am liebsten ließ er sich vorlesen. Seine Sprache war schon zu dieser Zeit altersentsprechend entwickelt. Wichtig war auch, dass Felix bisher nur wenig Kontakt mit anderen Kindern hatte, dieser auch schwer herzustellen war und er auch schlechte Erfahrungen mit "gesunden" Altersgenossen gemacht hatte (in Spielgruppen). Bei dem Termin In Niederpöcking lief Felix bei Frau Balasz an dem Sprossenstuhl mit einem Balken einpaar Schritte durch den Raum und wir hätten heulen können.
Im Juni ’06 haben wir sämtliche Petö - Kindergärten in Oberbayern besucht und gleichzeitig einen Platz in der rollierenden Gruppe in Niederpöcking gebucht, um 4 Wochen daran teilzunehmen. Danach wussten wir, dass die konduktive Förderung wirklich für unser Kind bedeutet, das an motorischen Möglichkeiten aus sich herauszuholen, was möglich ist. Und dass wir Eltern keine laienhafte Co-therapeuten mehr sein müssen. Die Konduktoren stehen uns immer mit Rat und Tat zur Seite . Aus verschiedenen Gründen haben wir uns für Rosenheim entschieden und diese Entscheidung nie bereut.
Felix geht jetzt das dritte Jahr in den Kindergarten, Bela ist seither sein Konduktor.
Nur einige wenige der FortSchritte, die Felix gemacht hat: Er hat relativ schnell gelernt, am Rollator zu gehen, jetzt kann er ihn auch prima lenken. Er kann sich an einer Kiste hochziehen und hinsetzen. Er kann sich allein ausziehen (mit etwas Hilfe....).; er isst sauber und braucht keine Windel mehr; er sitzt gerade und stabil, außer in Wachstumsschüben oder wenn er sehr müde ist, da hängt der Kopf wieder leicht; er kann seitlich die Treppen zuhause hochgehen, in der Zwischenzeit ohne Hilfe. Er kann an Gegenständen seitlich gehen; er wäscht sich die Hände allein und auch das Zähneputzen bewältigt er unter Aufsicht allein; er schafft es, aus der Rückenlage in den Seitsitz zu gelangen. Seiner rechten Hand nimmt er allmählich zur Unterstützung her, sicher noch nicht so sehr, wie sie eingesetzt werden könnte. Und er übt an Vierpunktstöcken zu laufen. Erst kürzlich hat er ein Therapiefahrrad bekommen und hat einen Riesenspaß, damit zu fahren. Felix ist im Kindergarten viel selbstbewusster geworden, er sieht und begreift täglich, dass er etwas kann und ernst genommen wird. Durch den Kontakt mit den anderen Kindern hat er soziale Kompetenzen erworben, er erkundigt sich nach Kindern, die fehlen. Manchmal traut er sich auch schon, einem Kind zu sagen, wenn ihm etwas nicht passt. Trotzdem orientiert er sich eher an Erwachsenen.
Felix ist seit dem Schuljahr 2010/11 an der Grundschule unseres Wohnorts einzelintegriert, wo er das Erlernte anwenden kann. Er ist glücklich, dass er dazu gehört.
Und das ist Felix:
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